3:1 für den Beruf, 5:1 für die Beziehung

Was sich wie Fußball anhört, ist ein kleiner Geheimtipp für erfolgreiche Kollegien/Teams. Vielleicht ahnen Sie schon, dass es um ein Verhältnis von positiv zu negativ geht und da haben Sie auch recht. Allerdings, warum Unterschiede zwischen Beruf und Beziehung (wenn man diese mal als Team bezeichnen darf)?
Oft sehen wir Arbeitskollegen (zeitlich) länger als den Partner pro Tag. Nun, die Antwort liegt in der besonderen Beziehung. Aber beginnen wir von vorn.

Übrigens, dieser 3:1 oder 5:1 Artikel entstand in Anlehnung an einen tollen Podcast-Kanal von Hans-Jürgen Walter „Das Abenteuer NLP und Kommunikation“. Sehr zu empfehlen. Seine Stimme ist einfach genial. Die Inhalte auch.

Jetzt aber los:
John Gottman, ein US-amerikanischer Psychologe hat einmal behauptet, dass er durch kurze Beobachtung von Kommunikationsstrukturen von Paaren zu 80% vorraussagen kann, ob diese eine erfolgreiche und lange Partnerschaft führen werden. Wow, das ist natürlich gewagt. Aber tatsächlich liegt seine Quote sehr hoch.
Frei nach Paul Watzlawick „Man kann nicht nicht kommunizieren“ ( also alles war wir tun (selbst schlafen) ist eine Form, etwas zu „sagen“), lag sein Geheimnis darin, Paare zu beobachten und ihre postive und negative Kommunikation zu beobachten. Darin also inbegriffen Mimik, Gestik, Worte, Haltung, Antworten usw.
Lag das Verhältnis von positiven „Äußerungen“ zu negativen „Äußerungen“ (hier wieder im ‚Watzlawickschen Sinne) mindestens im Verhältnis 5:1 – so schloss er daraus, dass das Paar zusammen bleiben würde. Wow. Das ist alles? Nun, zu 80% hat er damit anscheinend recht.
Wenn ich da so über mich nachdenke, werde ich nachdenklich. Denn wie oft ist man einfach genervt, abgespannt oder einfach schläfrig? Das zählt ja auch mit. Im Job kann man das nicht herauslassen und dann, wenn man zu Hause ist und die wichtigste Person im Leben etwas sagt – Rumms! – kommts raus.
Aber ich denke, dass in der Kommunikation mit dem Partner auch keine Buchführung angesagt ist. Das wirksame Mittel ist Achtsamkeit auf das, wie wir miteinander kommunizieren.
Ich denke, wenn wir anfangen mal darauf zu achten, genau nicht in diese Falle zu treten, oder dem Partner zu kommunizieren: „Du ich bin total genervt, ich muss mal kurz abschalten“, dann kann dieser die Situation auch besser einordnen.
Gibt es aber sonst keine Wege, wie man auf eine Quote von 5:1 kommen kann? Doch, dazu müssen wir über Shelley Gable sprechen.

 

Eine gute Quote in der Beziehung erreichen

Shelley Gable, ebenfalls eine US-amerikanische Psychologin, hat herausgefunden, dass entgegengesetzt allgemeiner Meinung Streit in einer Beziehung eine Disharmonie ist. Wichtig und gut ist sich miteinander freuen und feiern! Dabei möchte ich nicht in Frage stellen, dass in einer Beziehung eine konstruktive Streitkultur wichtig ist.
In den Reaktionen des Partners unterscheidet Shelley zwischen 4 Antwort-Qualitäten, von denen nur die letzte die Beziehung festigt.

 

Während ich mich bei der ersten noch gut fühlte – aktiv-destruktiv bin ich eigentlich nie, erwischte es mich dann gleich bei passiv-destruktiv.
Ganz ehrlich: letzten Sonntag. Der Zug hatte Verspätung, meine Partnerin meinte: „Hey, vielleicht hat ja der RE nach Lübeck auch Verspätung.“ und ich antwortete darauf „Das klappt nie, wenn man es braucht.“ Brumms. Tatsächlich war dann unser ICE viel früher da als angegeben und wir konnten den frühen RE doch noch nehmen. Knapp, aber ohne Hetze geschafft.
Nun soll es hier nicht darum gehen, seine Kommunikation mit dem Mikroskop zu untersuchen. Aber ich möchte Euch dazu verleiten, einfach dann und wann aufzupassen, wie wir reagieren. In Gedanken ein kleines Positiv- und ein Negativ-Konto zu eröffnen und ganz bewusst Guthaben auf dem Positiv-Konto aufzubauen. Ich kann Euch versprechen, mit der Zeit wird dies immer leichter. Es tritt eine langsame, schleichende Verhaltensänderung ein und diese wird auch die Qualität der Beziehung verbessern. Damit wiederum wird das Sparen einfacher.
Aber es sind ja noch zwei Qualitäten übrig: passiv-konstruktiv & aktiv-konstruktiv.

 

Passiv-konstruktive und aktiv-konstruktive Antworten

Bei passiv-konstruktiv trifft es mich schon wieder. Manchmal bin ich halt ein Grübler. Habe ein Idee oder einen Gedanken im Kopf und der läßt mich nicht los. Also bin ich etwas wortkarg. Wiederum meine Partnerin: “ Hey Mirco, ich habe heute richtig Lust, mal wieder Sauerkrautauflauf zu essen!“ – meine Antwort: „Hmhmm.“ Leider kein „HMMM-lecker“, sondern ein „hmmm-jajaja“.
Ich glaube, dass kennt jeder von uns. Das „HMMMM-lecker“ wäre eine aktiv-konstruktive Antwort gewesen und hätte dazu geführt, dass wir mit viel Freude und Lust zusammen gekocht hätten und dann noch später – gut, lassen wir den Nachtisch weg 🙂

Ein kleiner Kommentar bleibt noch vom Hans-Jürgen Walter: Kein Lob! Warum ist Lob keine aktiv-konstruktive Qualität?
Nun Lob kann „von oben herab“ wirken. Das ist einem erstmal gar nicht bewusst, aber achtet mal darauf. Was stattdessen? Sich miteinander freuen. Sich das Geschehene nochmals erzählen lassen. Nachhaken – wie hast du dich gefühlt? – Was passierte dann? Das Geschehene zusammen nochmal erleben. Und am besten feiern. Aktiv Zuhören und kommentieren.
Dadurch wird eine Beziehung gestärkt, weil sich positive Erlebnisse häufen. Gemeinsamkeiten zeigen und sich Interesse füreinander ausdrückt. Und ganz nebenbei – es macht glücklich sich zu freuen.

 

Gute Teams/Kollegien sind erfolgreicher, qualitativ besser und effizienter

Nun die Gute Nachricht: Im Beruf benötigen wir keine 5:1 Quote, sondern nur eine 3:1 Quote!
Warum aber sich die Mühe machen, an der Kommunikation im Kollegium/Team zu arbeiten? Oder warum ist es so schädlich, eine schlechte Grundstimmung in der Schule, im Unternehmen zu haben? Oder wie schafft man eine gute Performance von Teams/Kollegien?
3:1! Losada/Fredrickson veröffentlichten 2005 eine Studie, in der sie den Zusammenhang zwischen Sprache und Performance untersuchten. Teams mit einem Verhältnis von positiven und negativen Äußerungen (wieder im Sinne von Kommunikation nach Watzlawick) von weniger als 2,9:1 zeigten sich weniger flexibel, weniger änderungsfähig, weniger resilient, weniger offen und insgesamt ineffektiver, als Gruppen, die darüber lagen.

Genauer hingeschaut geht es hier also um die Art, wie in Teams oder Kollegien Wertschätzung für Mitarbeiter und Menschen allgemein ausgedrückt wird. Es geht darum, ob Menschen und Ihre Meinung in Frage gestellt werden oder ob ein konstruktives Gespräch entwickelt wird. Es geht darum, ob Personen nur auf sich selbst bezogen sind oder ob sie wirklich verstehen wollen, wo das Problem oder die Meinung des anderen liegt.

Und dies hat nicht nur Auswirkung auf das Wohlbefinden der Personen, sondern auf die Performance des Teams/des Kollegiums!
Dies würde für Firmen und Schulen eine bedeutend andere Sicht auf Angestellte fordern! Eine logische Folgerung wäre, Mitarbeiter zu schulen, positiv-konstruktiv zu kommunizieren. Vor allem aber Führungskräfte darin zu schulen, diese positiv-kostruktive Atmosphäre zu schaffen.
Dabei fällt mir natürlich auch mein zentraler Begriff Stimmigkeit ein. Aber das würde nun zu weit führen.
Vielen Dank, für das Lesen des Blogs und bitte kommentieren und weiter empfehlen!

 

By | 2016-08-11T21:46:46+00:00 Juli 5th, 2016|Uncategorized|0 Comments

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